werkstattgespräch: „Eine Welt gestalten, die es noch nie gab“

Rudi Dutschke im Interview mit Günter Gaus



„Gaus: Sie gehen davon aus, dass der Mensch absolut bildungsfähig ist, dass der Mensch besser werden kann.
Dutschke: Ich gehe davon aus, dass der Mensch nicht dazu verurteilt ist, dem blinden Spiel der Zufälle in der Geschichte unterworfen zu bleiben.“

Dezember 1967: Günter Gaus mit Rudi Dutschke  in einem Studio des Südwestfunks -  kein Trick, keine Musik, die Sendung lebt vom Wort und lebt bis heute kraftvoller als sämtliche Talk-Shows eines ganzen Jahres. Hier werden keine Worte geschunden, weil Fernsehsekunden teuer sind, hier werden Worte gesucht und sorgsam, aber sehr klar und deutlich formuliert.

Gaus, damals schon „etabliert“, interviewt mit Dutschke die junge Generation, die nicht mehr in den alten Pfaden weiter machen will. Aber Gaus versteht die aufmüpfigen 68er nicht. Er ist nicht in der Lage, den neuen Gedanken zu folgen.

Das Interview lebt von der Spannung, die darin liegt, dass beide Mühe haben, einander zu verstehen, es aber unbedingt wollen. „Wer führt Ihre Bewegung?" fragt Gaus, und Dutschke sagt: „Die Menschen führen sich selbst." - „Wie verhindern Sie Minderheiten-Terror?" - „Wir werden Mehrheit, oder wir scheitern." - „Sie werden Gefängnisse brauchen..., KZs..." - „Es hängt vom Willen der Menschen ab, ob sie zur Freiheit finden. Wir können eine Welt gestalten, wie sie die Welt noch nie gesehen hat." Während Gaus durch jede Rebellion die noch unreife Demokratie der Bundesrepublik gefährdet sieht, erscheint Dutschke diese Demokratie mürbe und faul. „Sind Sie antiparlamentarisch?" - „Ja, weil die wirklichen Bedürfnisse der Menschen im Parlament nicht vorkommen." Wir wollen uns an diesem 19. Mai das Interview gemeinsam ansehen und über verschiedene Aspekte diskutieren. Die Länge des Interviews beiträgt gut 40 Minuten.